Sport und Bewegung

Regelmäßiges, moderates Training
Sport und Bewegung stärken für den Alltag


Barbara Riess, M.A
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sportundbewegungLange Zeit lautete die Devise für Krebspatienten während und nach der Therapie: Schonung, körperliche Anstrengung vermeiden, kein Sport. Heute wird genau das Gegenteil geraten und zwar mit Rückendeckung der Wissenschaft. Epidemiologische Langzeitstudien belegen, dass neben einer gesunden Ernährung regelmäßige körperliche Aktivitäten einen positiven Effekt für die Lebensqualität haben, die Nebenwirkungen der Therapie erträglicher machen und helfen können, ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern.

Erst im März dieses Jahres veröffentlichte die Ärzte Zeitung einen Appell an die Ärzte, ihren Patienten den Sport als Mittel der Darmkrebsprävention schmackhaft zu machen. Das Blatt berief sich dabei auf eine im British Journal of Cancer 2011 veröffentlichte Auswertung von 20 Studien. Sie belegen, dass sportliche Betätigung das Wachsen von Darmpolypen verhindern kann und sich zudem wachstumshemmend auf Darmkrebszellen auswirkt.

Mittlerweile existieren zahlreiche nationale und internationale wissenschaftliche Studien, die nahelegen, dass verstärkte körperliche Aktivitäten sogar die Prognose von Krebspatienten günstig beeinflussen können. Viel Aufsehen erregte in diesem Zusammenhang 2008 eine Untersuchung bei Frauen mit Brustkrebs im Alter zwischen 50 und 74 Jahren, die sogenannte MARIE Studie (Mammakarzinom-Risikofaktoren-Erhebung). In der Gruppe der Frauen mit Östrogen/Progesteron positiven Tumoren, welche ein intensives Bewegungsprogramm absolvierten, wurde eine signifikante Risikoreduktion beobachtet - im Vergleich zur Kontrollgruppe mit der gleichen Erkrankung, die aber weniger sportlich aktiv war. Insgesamt erwies sich die Datenlage aus mehreren Studien als so überzeugend, dass der World Cancer Research Fund (WCRF) zu dem Schluss kam, regelmäßige körperliche Aktivität sei ein geeignetes Mittel der Krebsprävention, insbesondere bei hormonabhängigen Brusttumoren und bei Darmkrebs.

Einer der ersten in Deutschland, der Sport und Bewegung als Begleittherapie für Krebspatienten untersuchte, war der Sportwissenschaftler Fernando Dimeo, Leiter der Sportmedizin an der Berliner Charité. Ihn interessierte unter anderem der Effekt von Ausdauertraining auf die Leistungsfähigkeit der Patienten und auf Therapiefolgestörungen wie zum Beispiel tumorbedingte Fatigue.

Mit ähnlichen Fragestellungen befassten sich die Kölner Sportwissenschaftler Prof. Klaus Schüle und Dr. Freerk Baumann in Untersuchungen zum Thema Bewegungstherapie und Sport bei Krebs. Baumann wollte wissen inwieweit Krebspatienten nach der akuten Behandlungsphase durch Bewegung und Sport neue Kräfte mobilisieren und für die Krankheitsbewältigung nutzen können. Dazu unternahm er mit Brustkrebspatientinnen und Prostatakrebspatienten zum Teil sehr anspruchsvolle Wanderund Fahrradtouren, um den positiven Effekt körperlicher Anstrengung belegen zu können. Sehr anschaulich und allgemeinverständlich beschrieb er die Ergebnisse in dem 2009 erschienenen Buch „Die Macht der Bewegung“ (siehe Buchtipp).

Es muss aber nicht immer gleich die ganz große Herausforderung auf dem Jakobsweg oder in den Alpen sein. Sport ist nicht gleich Sport und was für den einen anstrengend ist, das ist für den anderen zu leicht. Deshalb ist es für wichtig, das individuelle Bewegungs- programm mit dem behandelnden Arzt und einem erfahrenen und qualifizierten Sporttherapeuten abzustimmen, um sich nicht zu überfordern und dann den gegenteiligen Effekt zu erhalten.

 

Trotz zahlreicher Studien sind noch viele Fragen offen. Um ganz konkrete Aussagen treffen zu können, welches Trainingsprogramm für

welchen Patienten in einer bestimmten Therapiephase das Richtige ist, sind weitere Forschungsprojekte nötig. Doch das soll die jüngsten Erkenntnisse nicht schmälern. Unbestritten ist, dass körperliche Aktivität nicht nur Krebsprävention sein kann, sondern auch die Lebensqualität fördert und neues Vertrauen in den eigenen Körper schafft. Sie erleichtert nach einer Krebserkrankung die Rückkehr in den Alltag und hilft, diesen besser zu bewältigen. Experten empfehlen hierzu ein Programm von Ausdauer fördernden Aktivitäten wie Radfahren, Joggen,sportundbewegung Nordic-Walking, Schwimmen. Wichtig ist, regelmäßig und gleichzeitig moderat zu trainieren, am besten täglich 30 bis 60 Minuten und bei alldem die ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch und wenig rotem Fleisch, Fett und Alkohol nicht zu vergessen. In diesem Punkt sind sich Sportund Ernährungswissenschaftler einig. Eine „Disziplin“ allein wirkt nicht. Es ist das Zusammenspiel von regelmäßiger sportlicher Aktivität und ausgewogener Ernährung, welches den besten Effekt in Sachen Krebsprävention verspricht.

 

Barbara Riess, M.A.
Öffentlichkeitsarbeit
Klinik für Tumorbiologie


Buchtipps

Rosi Mittermaier/Christian Neureuther,
Die Heilkraft des Sports, Mit Spaß und Freude mehr Gesundheit,
Nymphenburger Verlag,
ISBN 3485011290,
14,90 Euro

Bewegung und Sport bei Krebs,
Herausgeber: Deutsche Krebshilfe,
„Die Blauen Ratgeber“ (Nr. 46),
Tel: 0228 729900 oder
www.krebshilfe.de/blaue-ratgeber.html

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