Internistische Therapie des Pakreaskarzinoms

Ziel ist der Erhalt der bestmöglichen Lebensqualität


Prof. Dr. med. Clemens Unger 

3 6 internationales pankreaskarzinomzentrum Bei inoperablen Pankreaskarzinomen wird versucht, durch eine neoadjuvante Therapie den Tumor zu verkleinern und dadurch die Operabilität herzustellen. Es ist derzeit allerdings noch unklar, ob dies durch eine alleinige Chemotherapie oder durch eine kombinierte Radio-Chemotherapie besser gelingt. Letztere ist allerdings nebenwirkungsreicher als die alleinige Chemotherapie. Die Wahl der Therapie hängt deshalb ab von der Tumorart, dem Wachstumsverhalten des Tumors und dem Gesamtbefinden des Patienten. Nach erfolgter Operation ist die chemotherapeutische Nachbehandlung mit Gemcitabin über sechs Monate Standard und durch Studienergebnisse in ihrer Wirksamkeit belegt. Auch eine Nachbehandlung mit 5-Fluorouracil ist möglich und akzeptiert. Wenn die Erkrankung metastasiert ist oder eine Operation nicht mehr möglich ist, wird das Pankreaskarzinom mit einer Gemcitabin Monotherapie beziehungsweise in Kombination mit dem EGF-Rezeptor Thyrosinkinasehemmer Erlotinib (Tarceva) behandelt. Kombinationschemotherapien bringen keinen Überlebensvorteil, aber mehr Toxizität. Second-line Therapien sind nicht etabliert und demzufolge als experimentelle Therapien anzusehen.

Neue Therapieansätze zielen auf die Hemmung spezieller Proteine, sogenannte Transkriptionsfaktoren. Diese Konzepte befinden sich allerdings noch in der vorklinischen Entwicklung. Interessant sind die Konzepte der aktiven Immuntherapie mit dem Ziel, eine Aktivierung von zytotoxischen T-Lymphozyten gegen den Tumor zu erreichen. Gegen wichtige Proteine in Pankreastumoren wird derzeit eine Impfung versucht. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Weg erfolgreich sein wird. Eines der hoffnungsvollsten Konzepte ist inzwischen die Therapie der Tumorstammzelle und der Tumorstammzell-assoziierten Signalwege. Wenn es gelingt, diese Stammzellen auszuschalten, dann können keine Tumorzellen mehr entstehen. Erste tierexperimentelle Studien zur Hemmung von Signalwegen in Tumorstammzellen wurden für das Pankreaskarzinom bereits durchgeführt und in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht.

 

Prof. Dr. med. Clemens Unger
Ärztlicher Direktor
Klinik für Internistische Onkologie,
Klinik für Tumorbiologie

Bild: Das Team des Internationalen Pankreaskarzinomzentrums:
PD Dr. Keck, Prof. Hopt, Frau Lubitz GKP, Prof. Unger, Dr. Azémar

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