Chance auf Heilung

Neue Ansätze zu einer frühen Diagnose des Pankreaskarzinoms


PD Dr. med. Thomas Keck

Die einzige Möglichkeit der Heilung des Pankreaskarzinoms ist derzeit die chirurgische Therapie. Da bei vielen Patienten der Tumor jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten ist, erfolgt die Diagnosestellung häufig nicht mehr in den frühen Stadien, die mit einer deutlich besseren Prognose behaftet sind (pT1 oder N0 Stadium). In der Regel fehlen beim Pankreaskarzinom lange Zeit die Warnzeichen und so genannte klinische Zeichen wie Gewichtsverlust, gürtelförmige Rückenschmerzen oder eine Gelbfärbung von Haut und Bindehaut treten in der Regel erst später im Krankheitsverlauf auf.Die klassischen Ansätze der Diagnostik bestehen in der Bestimmung von Tumormarkern, der Computertomographie, der Darstellung der Gallen- und Pankreaswegen durch Spiegelung (ERCP) oder die Darstellung der Gallen- und Pankreaswege mit Magnet Resonanz Tomographie (MRCP). Innovative Ansätze bieten bedingt die Positionen Emissionstomographie (PET) das PET CT und vor allem bei zystischen Tumoren die MRPC.

Die Bestimmung der Tumormarker erlaubt oftmals eine Aussage darüber, um welche Art von Bauchspeicheldrüsenkrebs es sich handelt. Pankreaskarzinome, die vom Gangsystem der Bauchspeicheldrüse ausgehen, bilden vor allem den Tumormarker CA 19-9 (CA = cancer antigen) und das CEA (carcinoembryonales Antigen) und für hormonaktive Pankreastumore  sind das Insulin, das Glukagon, das Gastrin, das VIP (vasoaktives intestinales Polypeptid) und das PP (pankreatisches Polypeptid) typisch. Tumormarker eignen sich jedoch nicht zum Screening, da sie zum einen unspezifisch sein können, also zum Beispiel auch bei einer Entzündung der Gallenwege erhöht sein können und zum andern nicht sensitiv sind.

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MRCP ist bei der Diagnostik von zystischen Tumoren das Verfahren der Wahl

 

Bei einem Verdacht auf ein Pankreaskarzinom haben deshalb sich neben der Ultraschalluntersuchung und der Spiegelung der Gallenwege und Pankreaswege (ERCP) vor allem die wesentlich aussagefähigere Computertomographie und die MRCP etabliert. In diesen Verfahren werden Schnittbilder des Körper angefertigt, die eine exakte Aussage über die Lagebeziehung des Tumor zu lebenswichtigen Gefäßen ermöglichen und damit über die Möglichkeit einer Operation. Außerdem ist mit diesen Methoden gut zu erkennen, ob der Krebs auf Lymphknoten ausgebreitet hat und ob Fernmetastasen vorliegen. Gerade die MRCP ist bei den zystischen Tumoren heute das Verfahren der Wahl durch welches geschulte Radiologen in besonders qualifizierten Zentren bereits im Vorfeld, Tumoren, die entarten können (Muzinös zystische Tumore und Intraductal Papilläre Muzinöse Neoplasien) von denjenigen mit überwiegend gutartigem Potential (serös zystische Tumore) unterscheiden können. Gerade in diesem hoch spezialisierten Bereich der Diagnostik potentiell bösartiger zystischer Tumore des Pankreas, die wenn sie früh identifiziert und operiert werden eine deutlich bessere Prognose aufweisen als der klassische Pankreaskrebs, liegt das Potential des MRT und MRCP Untersuchung. Eine bioptische Sicherung des Tumors kann durch sonographisch- oder CT-gesteuerte perkutane Punktion oder durch laparoskopische Gewebeentnahme erfolgen. Sie ist unerlässlich, wenn eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie erfolgen soll - wenn der unklare Tumor operiert werden kann, ist sie unnötig und nicht ganz ungefährlich (Tumorzellimplantation).

Zu den neueren Verfahren in der Diagnostik des Pankreaskarzinoms zählen die PET, bei der über die Aufnahme einer radioaktiv markierten Substanz ein Bild des betroffenen Körperteils angefertigt wird. Tumoren und Metastasen weisen im PET meist einen höheren Stoffwechsel auf als gesundes Gewebe; sie heben sich dadurch im Schnittbild vom gesunden Gewebe ab. Mit Hilfe dieses Verfahrens können gut- und bösartige Veränderungen der Bauchspeicheldrüse oft besser unterschieden werden, jedoch ist auch hier einschränkend zu sagen, dass das PET eine relativ große Unsicherheit in der Differenzierung entzündlicher und tumoröser Prozesse hat. Eine Weiterentwicklung ist das PET-CT, wobei in einem Gerät ein PET mit einer Computertomographie durchgeführt wird und die entstehenden Bilder zur Deckung gebracht werden. Damit können durch PET entdeckte Mehranreicherungen besser den Organen zugeordnet werden. Diese beiden innovativen Verfahren sind in der Diagnostik des Pankreaskarzinoms im Wesentlichen dann von Bedeutung, wenn es darum geht, weitere Herde (Metastasen) zu identifizieren oder das Ansprechen auf eine Chemotherapie oder Bestrahlung zu bewerten.

Hormonaktive Tumore der Bauchspeicheldrüse können mit Hilfe der Ocreotid-Szintigraphie diagnostiziert werden. Dieses Untersuchungsverfahren basiert der Bildungsfähigkeit von Oberflächenmolekülen hormonaktiver Tumore für bestimmte radioaktiv markierte Eiweiße.Es gibt zusammenfassend eine Reihe etablierter und innovativer Ansätze des Pankreaskarzinoms die sich jedoch nicht zum Screening eignen. Zur exakten Diagnostik von zystischen Vorstufen des Pankreaskarzinoms sind in Zentren spezielle MRT basierte Untersuchungstechniken verfügbar.

PD Dr. med. Thomas Keck
Oberarzt
Chirurgische Universitätsklinik
Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie
Universitätsklinikum Freiburg

 

Funktion der Bauchspeicheldrüse

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Die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, ist eine wichtige Drüse für die Verdauungsvorgänge. Als exokrine Drüse produziert die Bauchspeicheldrüse die Pankreasfermente, die in den Darm abgegeben werden. Als endokrine Drüse gibt er Hormone in das Blut ab.
Im Saft der Bauchspeicheldrüse sind Enzyme enthalten, die Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße aus der Nahrung spalten, damit diese Stoffe in das Blut aufgenommen werden können. Zwei Prozent der Zellen der Bauchspeicheldrüse sind an der Bildung von Hormonen beteiligt. Diese Zellen bestehen aus kleinen Verbänden, die wie Inseln mitten im Gewebe der Bauchspeicheldrüse verteilt sind. Deshalb werden sie auch nach ihrem Entdecker Langerhans-Inseln oder Inselzellen genannt. Verschiedene Zellarten der Inselzellen produzieren Glukagon, Insulin und Somatostatin.  

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