Folgestörung nach Operation und Bestrahlung

Nach Entfernung der Achselhöhlen-Lymphknoten Verhaltensempfehlungen zum Thema Lymphödem

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Die gefürchtete Folgestörung nach Entfernung der Achselhöhlen-Lymphknoten (Axilladissektion) ist eine anhaltende Schwellung des Armes der betroffenen Seite, Lymphödem genannt. Es kann direkt nach der Operation, nach der Bestrahlung oder auch erst Jahre nach der Behandlung auftreten. Die meisten Lymphödeme entstehen in den ersten drei Jahren nach der Operation. Rund 25 Prozent der Frauen nach Axilladissektion sind davon betroffen. Für Frauen nach klassischer Axilladissektion gibt es Verhaltensempfehlungen, die Einfluss auf die Entstehung eines Lymphödems nach Operation haben sollen, gleichzeitig aber auch die Lebensqualität einschränken können. Sie sind meist nicht wissenschaftlich begründet, sondern stellen Meinungen von Experten dar. Einzelne dieser Empfehlungen werden zunehmend kritischer betrachtet, seit wissenschaftliche Untersuchungen ihren Nutzen in Frage stellen. Bis diese Fragen durch weitere Untersuchungen und Studien geklärt sind, werden die Standardempfehlungen unter der Annahme ausgesprochen, dass sie sinnvoll sind. 

Empfehlungen für Frauen ohne manifestes Lymphödem

Gehen Sie mit Zuversicht zurück ins Alltagsleben! Machen Sie sich klar, dass 75 Prozent der Frauen nach Axilladissektion nie ein Lymphödem bekommen. Fangen Sie ihren Alltag langsam und möglichst normal wieder an. Achten Sie jedoch dabei auf Veränderungen des betroffenen Armes, vor allem bei übermäßigen Belastungen. Machen Sie – besonders in den ersten sechs Monaten nach Abschluss der Behandlung - regelmäßig die gymnastischen Übungen, die Sie in der Klinik oder beim Physiotherapeuten gelernt haben. Gut sind alle Aktivitäten und Bewegungen, bei denen die betroffene Seite sanft, fließend und rhythmisch bewegt wird. Muskelanspannungen und –entspannungen wirken wie eine „Muskelpumpe“ und fördern den Lymphabfluss. Sobald Sie Schmerzen haben, machen Sie die Übung nicht weiter. Auch regelmäßiges Schwimmen ist sinnvoll. Eine Wassertemperatur über 30 Grad sollte vermieden werden - günstig sind 25 bis 28 Grad. Halten Sie ihr Körper-Normalgewicht. Versuchen Sie bei bestehendem Übergewicht dieses Normalgewicht wieder anzustreben. Dieses Ziel sollte langfristig durch konsequente Umstellung Ihrer Ernährung in Kombination mit einem regelmäßigen Ausdauertraining erreicht werden. Bei der Wahl des Ausdauersports sind Sportarten mit harmonischen Bewegungsabläufen zu bevorzugen (Wandern, Walking, Nordic-Walking, Fahrradfahren, Ergometerradfahren, Ausdauerschwimmen). Für das Erreichen des Normalgewichts sind „Hau-Ruck-Diäten“ nicht hilfreich und führen in der Regel nicht zum Halten eines Normalgewichts. Bei Fragen wenden Sie sich an ihre betreuenden Ärzte.

Empfehlungen für Frauen mit manifestem Armlymphödem

Vermeiden Sie Verletzungen des betroffenen Armes. Bei Arbeiten mit hohem Verletzungsrisiko sollten Sie Schutzhandschuhe tragen. Vorsicht auch beim Umgang mit Küchenmessern. Tragen Sie beim Nähen einen Fingerhut. Tragen Sie bei der Hausarbeit und im Garten Schutzhandschuhe. Vermeiden Sie Verletzungen bei der Nagelpflege: Schieben Sie die Nagelhaut vorsichtig zurück, statt sie zu schneiden. Entfernen Sie die Haare unter dem Arm nur mit einem elektrischen Rasierapparat. Vermeiden Sie Verletzungen durch (Haus-)Tiere. Beugen Sie Insektenstichen vor durch adäquate Kleidung bzw. Nutzung von Repellents. Folgestörung nach Operation und Bestrahlung Blutdruckmessungen, Injektionen, Blutabnahmen oder Akupunkturbehandlungen sollten – falls möglich – am betroffenen Arm vermieden werden. Vermeiden Sie auch Infektionen des betroffenen Armes. Falls doch einmal Verletzungen entstehen, sorgen Sie umgehend für Wundreinigung und Verband. Bei Hautentzündungen suchen Sie ihren Arzt auf.

folgestoerung nach operationVermeiden Sie extreme Hitze- und Kälteeinwirkungen. Zu starke Hitze fördert den Einstrom von Flüssigkeit ins Gewebe. Verzichten Sie deshalb auf Sonnenbäder, Thermalbad und Saunagänge. Zu starke Kälte verschlechtert die Abwehrlage und erleichtert das Auftreten von Infektionen. Im Winter sollte deshalb auf angemessen warme Kleidung geachtet werden, auch an den Händen und am Übergang von der Hand zum Arm. Vermeiden Sie abrupte Überbelastungen, zum Beispiel durch das Tragen ungewohnt schwerer Lasten. Entgegen früheren Empfehlungen sind jedoch Tätigkeiten und Sportarten wie zum Beispiel langsam kontinuierlich aufbauendes Krafttraining ohne Obergrenze erlaubt. Patientinnen mit manifestem Lymphödem tragen dabei einen Kompressionsarmstrumpf. Vermeiden Sie Einschränkungen der Lymphzirkulation. Tragen Sie Umhängetaschen mit Schulterriemen nur auf der gesunden Seite. Achten Sie darauf, dass Ihre Kleidung nicht einengt. Die Armbündchen sollten nicht einschnüren, Röcke und Gürtel sollten keinen Druck ausüben. Die Träger des Büstenhalters dürfen weder an der Schulter noch am Brustkorb einschneiden. Armbanduhr, Armreif und Ringe müssen locker anliegen. Von einer knetenden Massage des Armes ist abzuraten. Frauen, die auch sechs Monate nach Abschluss der Behandlung keinerlei Hinweise für ein Lymphödem haben, können vorsichtig von den oben genannten Empfehlungen abweichen. Eine absolute Sicherheit, dass es im Laufe der Zeit nicht zu einem Lymphödem kommen wird, gibt es leider nicht.

Dr. med. Johannes Schmid
Oberarzt
Klinik für Tumorbiologie

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