Rehabilitation nach Brustkrebs

Wichtige Hilfe bei Bewältigung der Erkrankung


Dr. med. Andreas Mumm

Mit 40.000 Reha-Verfahren ist Brustkrebs die häufigste Indikation der stationären onkologischen Rehabilitation in Deutschland. Behandelt werden die körperlichen, seelischen und sozialen Folgen der Brustkrebserkrankung. Dies betrifft die direkten Operations- und Bestrahlungsfolgen sowie die kurz- und langfristigen Medikamentenfolgen durch Chemotherapie, antihormonelle Therapie und Antikörper. Hilfen bei der Krankheitsbewältigung, Vermittlung von Informationen, Reduktion von Ängsten, Förderung des Selbstwertgefühls und heilende Unterstützung im sexuellen Leben und Erleben sind typische Themen der Rehabilitation.

rehabilitation nach brustkrebsDer Wandel der Medizin, aber auch veränderte gesellschaftliche Einstellungen haben unmittelbaren Einfluss auf die Inhalte der Rehabilitation mit oder nach Brustkrebs. Nachdem sich in den 80er und 90er Jahren die brusterhaltende Operation durchgesetzt hat und mittlerweile zirka 70 Prozent der Patientinnen so behandelt werden können, steht heutzutage die Verbesserung der plastischen Operationstechnik im Vordergrund mit dem Ziel,  bei unvermindert hoher Sicherheit ein möglichst optimales ästhetisches Ergebnis zu erzielen.

Beratungen zu Fragen der plastischen Brustchirurgie nehmen heute einen breiteren Raum ein als früher. Entweder geht es rückblickend darum, warum dieses und nicht jenes Operationsverfahren gewählt wurde oder auch um Fragen eines eventuell ins Auge gefassten Wiederaufbaus der Brust. Dem Reha-Mediziner kommt dabei die Aufgabe zu,  Grundwissen zu vermitteln, Perspektiven aufzuzeigen und eventuell  Wege zum Spezialisten zu bahnen.

Zur Chirurgie bei Brustkrebs gehört es, abzuklären,  ob Lymphknoten der Achselhöhle (Axilla) mitbefallen sind. Während dafür früher mindestens 10 Lymphknoten entfernt werden mussten, genügt heute bei zirka  40 Prozent  der Patientinnen die Entfernung des sogenannten  Wächterlymphknotens (Sentinel-Node). Dabei wird nur der erste Lymphknoten, das heißt. die erste Filterstation des betroffenen Brustdrüsenareals in der Axilla entfernt. Ist dieser Lymphknoten nicht befallen, dann  ist kein weiterer Eingriff in der Axilla erforderlich. Mittlerweile ist diese Möglichkeit zu einem Standardverfahren geworden. Die Häufigkeit eines Lymphödems am Arm der betroffenen Seite konnte durch diese Verfahren von etwa 30 Prozent  auf unter 10 Prozent reduziert werden. Die physiotherapeutische Behandlung des manifesten Lymphödems des Armes ist seltener geworden.

Zwar hat sich die hochdosierte Chemotherapie mit der nachfolgenden Stammzelltransplantation nicht bewährt, gleichwohl ist im Schnitt die chemotherapeutische Behandlung der Brustkrebserkrankung aggressiver und damit nebenwirkungsreicher geworden. Folgen sind  unter anderem  therapiebedingte Herzprobleme oder  Komplikationen durch die vermehrte Verwendung von Portsystemen (kleine Reservoire, die unter die Haut implantiert werden und über die Chemotherapeutika direkt in große Venen gegeben werden. Damit werden zum Beispiel feinere Venen am Arm geschont).

rehabilitation nach brustkrebsZugenommen haben auch chemotherapiebedingte Neuropathien. Das sind Nervenschädigungen, die sich durch Gefühllosigkeit, Gefühlsstörungen, Kribbeln oder charakteristischen Schmerzen bemerkbar machen. Ursache der Zunahme der Neuropathien ist der vermehrte Einsatz von sogenannten Taxanen, einer Gruppe von Chemotherapeutika, die sich von den Inhaltstoffen des Eibenbaumes ableiten. Zur Behandlung dieser Neuropathien wird derzeit ein multidisziplinäres Behandlungsangebot an unserer Klinik etabliert. Dies umfasst physikalische, krankengymnastische, pflegerische und schmerztherapeutische Maßnahmen. Selbstpflegemaßnahmen und gezielte Übungen haben hierbei einen hohen Stellenwert.

Insgesamt kann man sagen, dass die medizinische Therapie der Brustkrebserkrankung in den letzten zehn  Jahren deutlich komplexer geworden ist und die Phase der Rehabilitation stärker als früher mit in die Akutbehandlung mit eingebunden ist.

 

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Dr. med. Andreas Mumm
Oberarzt
Klinik für Tumorbiologie

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