Brust-Rekonstruktion nach Brustkrebs Operation

Studie untersucht Lebensqualität und Reha-Bedarf


Dr. Stephanie Waibel

Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung der Frau mit über einer Million Neuerkrankungen pro Jahr. In der Bundesrepublik Deutschland erkranken jedes Jahr zirka 57.000 Frauen neu an Brustkrebs. An der Klinik für Rehabilitation und Nachsorge der Klinik für Tumorbiologie stellen Frauen nach Brustkrebs mittlerweile mehr als die Hälfte der Behandelten dar. Die Tendenz ist hierbei seit Jahren steigend.

Bei 40 Prozent aller betroffenen Frauen wird die Diagnose vor dem 60. Lebensjahr gestellt, und erfolgt somit vergleichsweise früh. Zudem konnte in den letzten Jahren eine stetige Verbesserung der Prognose bei kleinen, nicht-metastasierten Mammakarzinomen erzielt werden. Junges Erkrankungsalter und gutes Gesamtüberleben führen dazu, dass das ästhetische Ergebnis einer Brustkrebsoperation im Gesamtkonzept der Brustkrebsbehandlung einen  immer größeren Stellenwert einnimmt. Dies gilt insbesondere auch für Frauen, die durch eine notwendige Brustkrebsoperation ihre Brust verloren haben.

Obwohl mittlerweile die brusterhaltende Operation mit nachfolgender Bestrahlung Standard ist und in zirka. 70 Prozent aller Fälle durchgeführt werden kann, gibt es Situationen, in denen die Brust entfernt werden muss. Für die betroffene Frau kann dies mit massiven Veränderungen ihres körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens einhergehen. Ein Wiederaufbau der verlorenen Brust kann diesbezüglich einen wichtigen Schritt zurück ins Alltagsleben bedeuten.

Ein solcher Wiederaufbau kann während der Erstoperation oder in einem zweiten Eingriff nach Ablauf von sechs bis zwölf Monaten durchgeführt werden. Zwei grundlegend verschiedene Techniken stehen hierzu zur Verfügung: Entweder kann ein sogenanntes Implantat, meist aus Silikon, eingepflanzt werden, oder die Brust wird aus am Bauch, am Rücken, am Oberschenkel oder am Gesäß entnommenem Eigengewebe neugebildet.  Beide Methoden erfreuen sich laut Literatur einer sehr hohen Patientenzufriedenheit. Das bedeutet, dass laut einschlägiger Studien 80 bis 100 Prozent aller Patientinnen, die sich für eine der beiden Methoden entschieden haben, ihre Entscheidung jederzeit wiederholen würden.

Diese Beobachtung können Ärzte und Therapeuten an der Klinik für onkologische Rehabilitation und Nachsorge der Klinik für Tumorbiologie jedoch nicht teilen. Sie sehen im klinischen Alltag immer wieder mit Frauen, die nach einem Brustwiederaufbau große Probleme haben, die sie in ihrem täglichen Leben massiv einschränken. Dies können chronische Schmerzen sein, Sensibilitätsstörungen, Funktionseinschränkungen durch Narben oder das Fehlen eines Muskels, oder psychische Belastungen durch ein verändertes Körperbild oder Gefühl zum eigenen Körper, weil die aufgebaute Brust die verlorene doch nicht ersetzen kann.

Aus dieser Diskrepanz zwischen den Beobachtungen im klinischen Alltag und dem aktuellen Stand der Literatur wurde die Idee zu einer Studie geboren, welchen die Lebensqualität und den speziellen Rehabilitationsbedarf von Frauen untersucht, die nach einer Brustkrebsoperation einen Brustwiederaufbau erhalten haben. An der Studie beteiligen sich sieben Kliniken aus ganz Deutschland. Mit dem Forschungsprojekt sollen erstmals wissenschaftliche Daten bezüglich Lebensqualität und Zufriedenheit von 120 Patientinnen nach einer Brustrekonstruktion im Vergleich zu 120  Frauen die keinen Wiederaufbau hatten, erhoben werden. Frauen mit Brustkrebs, die einen Wiederaufbau gleich welcher Methode durchführen ließen, werden zu folgenden Punkten befragt:

  • Wie zufrieden sind Sie mit ihrer Entscheidung, mit der Operation und dem Ergebnis?
  • Welche Probleme haben Sie durch die Operation?
  • Wie ist Ihre Lebensqualität?
  • Welche besonderen Anforderungen stellen Sie an eine Rehabilitation?


Durch die Studienergebnisse sollen Frauen, die sich im Entscheidungsprozess für oder gegen einen Brustwiederaufbau befinden, künftig gezielter und umfassender beraten werden können, auch was die zu erwartenden Probleme betrifft. Weiterhin soll anhand der Studienergebnisse ein gezieltes Reha-Programm für Patientinnen mit Brustwiederaufbau entwickelt werden.

Dr. Stephanie Waibel
Gynäkologin, Klinik für Tumorbiologie

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