Wie lässt sich das Risiko von Darmkrebs senken?

Körpereigene Ressourcen spielen eine wichtige Rolle


Dr. med. Jann Arends

Auch wenn es keinen 100-prozentigen Schutz gegen Darmkrebs gibt, das Risiko lässt sich deutlich beeinflussen. Darmkrebs ist eine typische Erkrankung der westlichen Lebenswelt; und die Häufigkeit ist europaweit in Deutschland am höchsten. Zwar ist bislang noch nicht völlig klar, was jeder Einzelne für sich und was sich in der Gesellschaft ändern müsste. Vieles spricht jedoch dafür, dass besonders im Herzen Europas der Lebensstil der Menschen zu arm ist an Aktivität und körperlicher Anstrengung, dass zu wenig Gemüse und andere pflanzliche Nahrung gegessen werden und dass das Korsett von Regeln und Zwängen zu eng ist und das Gefühl für die Vitalität des Körpers verloren zu gehen droht.

Wegen des hohen Darmkrebs-Risikos hierzulande ist der Stellenwert regelmäßiger Darmspiegelungen zur Früherkennung und zur Entfernung polypöser Krebsvorstufen nicht hoch genug einzuschätzen. Ist ein Tumor entstanden und entdeckt, sollte er, wenn immer möglich, chirurgisch komplett entfernt werden.

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Die Darmspiegelung ist die beste Methode der Darmkrebsfrüherkennung. Unter dem Motto „Faszination Darm“ tourt seit Ende 2008 Europas größtes Darmmodell in Sachen Aufklärung durch Deutschland.
Die Termine sind im Internet unter www.faszination-darm.de/termine/index.php veröffentlicht.    
Bild: Felix Burda Stiftung

Vor einer großen Tumoroperation ist es vorteilhaft, über ein bis zwei Wochen eine Zusatznahrung einzunehmen und im Rahmen einer psychoonkologischen Beratung und Betreuung die körpereigenen Ressourcen zu stärken. Nach der Operation sollte die normale Ernährung möglichst rasch wieder aufgenommen werden, um Gewichtsverlusten vorzubeugen. Parallel dazu ist ein Aktivitäts- und Trainingsprogramm unerlässlich, um Zell- und Muskelreserven zu erhalten und verlorene Ressourcen zu regenerieren.

Häufig kann es vor allem in den ersten Wochen und Monaten nach einer Tumoroperation zu Änderungen der Darmfunktion kommen, mit Krämpfen, Durchfall oder häufigem Stuhldrang. So störend und unangenehm dies zunächst wirkt, es bestehen sehr gute Aussichten, dass sich der Körper an die neue Situation gewöhnt und die Belastungen schließlich abklingen. Wird bei einer Tumoroperation die vorübergehende oder langfristige Anlage eines künstlichen Darmausgangs (Colo- oder Ileostoma) erforderlich, so gilt ebenso, dass zwar eine erhebliche Umgewöhnung nötig wird, dass sich aber die meisten zunächst unüberwindlichen Probleme schließlich zufriedenstellend lösen lassen. Überaus wichtig hierbei ist die kompetente Beratung. Zusätzliche Unterstützung kann eine Selbsthilfegruppe geben.

Wird nach der Operation eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung erforderlich, so gilt, dass diese umso besser vertragen werden, je besser die körperlichen Reserven sind. Zur Stärkung der Widerstandskraft sollten leichte, gut verträgliche Speisen und täglich mehrere kleine Mahlzeiten gewählt werden, um das Gewicht stabil zu halten. Daneben sichert ausreichend Bewegung an frischer Luft den Erhalt der Abwehrkräfte.

Ist die Behandlungszeit mit allen ihren Belastungen überstanden, so stellt sich die Frage, ob es richtig ist, die Lebensgewohnheiten aus der Zeit vor der Erkrankung wieder aufzunehmen oder ob nicht Grundlegendes im Lebensrhythmus verändert werden muss. Hier sind zwei Punkte wichtig: Zum einen sind nicht alle Tumorerkrankungen durch einen falschen Lebensstil verursacht, sodass auch Personen mit ausgesprochen gesunder Lebensweise betroffen sein können. Zum anderen wissen wir, dass insbesondere regelmäßige und kräftige körperliche Bewegung ein Wiederauftreten des Tumors verhindern oder zumindest aufschieben kann. Ebenfalls schützen wahrscheinlich auch eine abwechslungsreiche pflanzliche Ernährung sowie Stressvermeidung und eine positive Lebenseinstellung.

 

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Dr. med. Jann Arends
Oberarzt
Klinik für Tumorbiologie

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