Stoma- und Wundversorgung nach Darmkrebs Operation

Fachkundige Unterstützung für Betroffene und Angehörige


Ursula Preuß, GKP Onkologie, Zertifizierte Stomaberaterin

Das Dickdarmkarzinom lässt sich mit verschiedenen Therapien behandeln. Die operative Entfernung des Tumors gehört neben der Chemotherapie und der Bestrahlung zur Standardtherapie. Je nach Lage und Größe des Tumors wird die Anlage eines Stomas (operativ angelegter Darmausgang) nötig. Dies wird entweder zur Entlastung des Operationsgebietes am Enddarm vorübergehend, also für eine begrenzte Zeit, oder bei kompletter Entfernung des Schließmuskels dauerhaft angelegt.

Da ein Stoma keine Schließmuskelfunktion hat, kann der Ausscheidungszeitpunkt von Stuhlgang und das Entweichen von Darmgasen nicht mehr kontrolliert werden. Menschen mit einem Stoma sind auf spezielle Hilfsmittel angewiesen, in die die Ausscheidung aufgefangen wird. Dem Leben nach der Operation mit dieser einschneidenden Veränderung sehen die Patienten meist mit großer Sorge entgegen. Gerade in dieser neuen und schwierigen Krankheitssituation brauchen Betroffene und Angehörige fachkundige Unterstützung. Pflegeexperten auf diesem Gebiet sind Stomatherapeuten. Auf chirurgischen Abteilungen nehmen sie bereits vor dem operativen Eingriff Kontakt mit den Patienten auf. Nach der Operation kontrollieren und beobachten sie die Ausscheidung, den Zustand der Darmschleimhaut und die Wundheilung. Wenn das Stoma komplikationslos eingeheilt ist, werden die Patienten und auf Wunsch auch Angehörige zur Pflege und im Umgang mit den Hilfsmitteln angeleitet. In der Klinik für Tumorbiologie haben Patienten während der onkologischen Rehabilitation Gelegenheit, sich mit der Pflege des Stomas und im Umgang mit den Hilfsmitteln vertraut zu machen. Das entscheidende Ziel ist erreicht, wenn die Betroffenen sich zutrauen, das Stoma selbst zu versorgen. So erfahren sie Sicherheit in die eigenen Fähigkeiten. Dadurch kommt die Lebensqualität zurück, und der Ausblick auf ein Leben mit dem Stoma erscheint machbar.

Durch neueste operationstechnische Verfahren, die eine sichere Entfernung des Tumors auch nahe am Schließmuskel ermöglichen, sind Stomaanlagen meist nur noch temporär zur Schonung des Operationsgebietes nötig. Eine Rückverlegung wird dann nach mehreren Wochen oder Monaten durchgeführt. Danach wird der Stuhlgang wie vor der Operation in physiologischer Weise über den Enddarm ausgeschieden.

Musste bei der Operation der Schließmuskel jedoch mit entfernt werden, hat der Betroffene das Stoma dauerhaft. Bei der Stomaausleitung aus dem absteigenden Teil des Dickdarms kann durch regelmäßige Darmspülung, der Irrigation, der Ausscheidungszeitpunkt gesteuert werden. Dies ermöglicht ausscheidungsfreie Intervalle von 24 bis 48 Stunden. Eine kleine diskrete Abdeckung des Stomas lässt dann Schwimmbad- und Saunabesuche ohne lästige oder neugierige Blicke anderer zu.

Betroffene und ihre Partner oder Partnerinnen haben aber nicht ausschließlich Fragen rund um die Pflege und Versorgungsmöglichkeiten des Stomas. Die Auswirkungen sind viel weitreichender. Die Sorge, durch ein verändertes Körperbild nicht mehr attraktiv zu sein oder Sexualität nicht mehr in gewohnter Weise praktizieren zu können, beschäftigt die Patienten. Das Gefühl des Andersseins kann sozialen Rückzug und Ausgrenzung bewirken.Nicht allein zu sein mit seinem Schicksal, ist eine der wichtigsten Erfahrungen. Eine kompetente Anleitung in pflegepraktischer Hinsicht aber auch ein sensibles Gespräch mit den Stomatherapeuten ist daher unabdingbar.

Die Beratung durch eine qualifizierte Stomatherapeutin ist wichtig,
um den Umgang mit dem Stoma zu erleichtern.

 

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Ursula Preuß
GKP Onkologie
Zertifizierte Stomaberaterin
Klinik für Tumorbiologie

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