Der Heilkraft der Natur auf der Spur

Wiederentdeckung und Weiterentwicklung alter Hausmittel


Alexandra Kammerer, GKP
Dr. med. Matthias Rostock
Dr. med. Marc Azemar

Die Arbeitsgruppe für komplementäre Pflegemethoden ist seit Eröffnung der Klinik für Tumorbiologie der Heilkraft aus der Natur auf der Spur. Dabei stellten sich folgende Fragen: Welche Anwendungen sind hilfreich, sinnvoll und praktikabel, um Patienten während und nach der Krebstherapie zu unterstützen? Wie kann die Lebensqualität für onkologische Patienten gefördert und erhalten werden? Im Laufe der Jahre wurden alte Hausmittel wiederbelebt und Teemischungen weiterentwickelt, Patienten brachten eigene Erfahrungen ein und Pflegende wurden in verschiedenen Einreibe- und Massagetechniken geschult. So haben sich einige Methoden im alltäglichen Ablauf etabliert, während andere verworfen wurden. Dieser Prozess befindet sich in kontinuierlicher Entwicklung. Im Folgenden soll dies mit einigen Beispielen beleuchtet werden.

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Schmerzen gehören zu den Problemen, die die Lebensqualität des Patienten am meisten beeinträchtigen können. Deshalb gibt es in der Klinik für Tumorbiologie seit 1993 eine eigens hierauf spezialisierte Abteilung für Schmerztherapie. Ergänzend zur eigentlichen Schmerztherapie können bei bestimmten Ursachen auch komplementäre Pflegemethoden eingesetzt werden. So kann zum Beispiel Johanniskrautöl als körperwarme Auflage oder Einreibung Verspannungen und Muskelschmerzen reduzieren. Ätherisches Pfefferminzöl kann auf die Schläfen und im Nackenbereich aufgetragen bei Kopfschmerzen Linderung verschaffen. Dies wurde in einer Studie der Universität Kiel belegt. Feuchtheiße Kompressen können auch bei starken Schmerzen im Bauchraum oft sehr hilfreich sein. Bei Blähungsbeschwerden sind zusätzlich ätherische Öle aus Majoran, Kümmel, Fenchel und Anis indiziert. Eine Quarkauflage kann bei schmerzhaftem Erythem (entzündungsbedingten Hautrötungen) nach Strahlentherapie und auch bei Venenreizungen nach einer Infusion sinnvoll eingesetzt werden, solange die Hautoberfläche geschlossen ist. Bei verschiedenen Schmerzzuständen wird die äußerliche Anwendung eines Schmerzöls aus Aconitum (Eisenhut) in Mischung mit anderen Substanzen von vielen Patienten als lindernd empfunden.

heilkraft der naturEin schönes Essen genießen zu können, ist etwas was die meisten Menschen mit Lebensqualität in Verbindung bringen. Doch genau dies können viele Zytostatika und andere Krebstherapien beeinträchtigen, da sie Entzündungen der Mundschleimhaut hervorrufen. Dem kann der Patient durch die entsprechende Pflege der Mundschleimhaut vorbeugen. Neben der regelmäßigen Reinigung der Zähne, der Zahnzwischenräume und der Zunge nach den Mahlzeiten, haben sich zusätzliche Spülungen mit Salbei/Thymiantee oder einem Kräutermundwasser bewährt.

Essentiell für eine gute Lebensqualität ist ein erholsamer Schlaf. Gerade bei chronischen Krankheiten wie einer Tumorerkrankung ist dieser oft durch verschiedene Einflüsse gestört. Hier bietet die Pflege neben anderen Methoden die „Lavendelölauflage“ an. Diese wird von vielen Patienten als entspannungs- und schlaffördernd empfunden. Mit der wissenschaftlichen Untersuchung eben dieser Anwendung, möchte die Pflegeforschung der Klinik für Tumorbiologie nun belegen, dass es sich dabei nicht nur um einen subjektiven Eindruck handelt. Die Ergebnisse werden im Laufe der nächsten Monate erwartet.

Vielen Menschen sind einige Heilpflanzen dem Namen nach bekannt. Es mangelt jedoch oft an Wissen über die genaue Anwendung zu Heilzwecken. Gerade mit dem aktuellen Trend, Medikamente im Discounter zu kaufen, auf eine ausführliche Beratung zu verzichten, ganz zu schweigen von der fragwürdigen Qualität der Produkte, unterliegen viele dem Trugschluss, natürliche Wirkstoffe seien ohne Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Dies ist jedoch mitnichten der Fall. Häufig wird unwissentlich eine falsche Dosierung eingenommen. Im weniger schlimmen Fall einer Unterdosierung tritt dann die erwünschte Wirkung nicht ein. Problematischer wird es, wenn der Patient auf Grund von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Begleiterkrankungen diese Heilpflanzenpräparate eigentlich gar nicht einnehmen dürfte. Eine kompetente Beratung durch ausgebildetes und erfahrenes Fachpersonal ist deshalb unabdingbar.

Auf dieser Grundlage kann vom Patienten selbst oder von den Angehörigen vieles erlernt werden. Damit wird dem Anliegen vieler Patienten Rechnung getragen, selbst aktiv zur Genesung beizutragen.

 

Alexandra Kammerer, GKP
Pflegeexpertin für Phyto-Aromapflege, AG komplementäre Pflegemethoden

Dr. med. Matthias Rostock
Oberarzt

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Dr. med. Marc Azemar
Oberarzt, Klinik für Tumorbiologie

 

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