Naturheilkunde und Komplementärmedizin

Wann müssen die Patienten selbst in die Tasche greifen?


Dr. med. Matthias Rostock

Mit der Gesundheitsreform im Jahr 2004 wurde der größte Teil der komplementärmedizinischen Präparate und Therapieverfahren aus der Erstattungsfähigkeit herausgenommen. Es wurde festgelegt, dass nur noch rezeptpflichtige Arzneimittel von den Krankenkassen bezahlt werden sollen.

naturheilkundeRezeptpflichtigkeit besteht in Deutschland für Medikamente, die ein hohes Potential an Nebenwirkungen haben und daher in der Apotheke für Patienten im Rahmen der Selbstmedikation nicht zur Verfügung gestellt werden. Da die meisten pflanzlichen, homöopathischen und anthroposophischen Arzneimittel aber nicht unter Rezeptpflicht stehen, müssen diese seitdem vom Patienten selbst bezahlt werden.

Es wurden allerdings für bestimmte Erkrankungen und bestimmte Präparate Ausnahmen festgesetzt. So dürfen zum Beispiel bei leicht- bis mittelgradigen Depressionen einige (höher dosierte) Johanniskrautpräparate auf Kassenrezept verschrieben werden. Bei Patienten mit einer Tumorerkrankung werden auch weiterhin die Kosten für Mistelpräparate von den Krankenkassen übernommen. Dies gilt für die Präparate der anthroposophischen Therapierichtung generell sowie für die Präparate der phytotherapeutischen Therapierichtung - zumindest in der palliativen Therapiesituation (nach den Arzneimittelrichtlinien Ziffern 16.4 und 16.5).

Eine häufig nicht bekannte Ausnahmeregelung ist die Verordungsfähigkeit von anthroposophischen und homöopathischen Arzneimitteln bei schwerwiegenden Erkrankungen (wie zum Beispiel Tumorerkrankungen), wenn unter der konventionellen Behandlung (zum Beispiel Chemotherapie, Strahlentherapie) schwerwiegende Nebenwirkungen aufgetreten sind (Arzneimittelrichtlinie Ziffer 16.7). Allerdings ist der Begriff „schwerwiegend“ in Bezug auf die Nebenwirkungen definiert als „lebensbedrohlich“ und „die Lebensqualität des Patienten auf Dauer nachhaltig beeinträchtigend“. Außerdem gibt es einige Krankenkassen, die generell Behandlungen bei anthroposophischen Ärzten bezahlen und (in begrenztem Umfang) künstlerische Therapien im Rahmen eines anthroposophischen Gesamtkonzeptes. Mittlerweile 120 verschiedene Krankenversicherungen übernehmen auf der Grundlage so genannter integrierter Verträge die Kosten für eine homöopathische Behandlung, wenn sie von einem Kassenarzt mit der Zusatzbezeichnung Homöopathie vorgenommen wird.

Bei bestimmten Indikationen werden von den gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Akupunkturbehandlung übernommen. Der Arzt benötigt jedoch neben der Zusatzbezeichnung Akupunktur auch die Zusatzqualifikation Schmerztherapie.

Es ist jedoch anzumerken, dass die Kostenerstattung häufig so gering ausfällt (vor allem bei der Akupunktur), dass viele Ärzte die Behandlung dennoch als privatärztliche Leistung anbieten. Bei Unklarheiten bezüglich der Kostenübernahme sollte man vor Inanspruchnahme einer Leistung ein klärendes Gespräch mit dem behandelnden Arzt und gegebenenfalls mit der eigenen Krankenversicherung führen.

 

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Dr. med. Matthias Rostock

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