Buchtipp

Essen fast wie gewohnt


Barbara Riess

essenfastwiegewohntEin Kochbuch mit Rezepten speziell für Männer mit Prostatakrebs? Fakt ist, dass die Ernährung Einfluss auf Entstehung und Fortschreiten der Prostatakrebserkrankung hat. Dies wird in zahlreichen Studien belegt. Die Ernährungswissenschaftlerin Arwen Hodina, der Chemiker Prof. Dr. Ulrich Massing und der kulinarische Experte und Autor Hans-Albert Stechl haben sich zum Ziel gesetzt, die umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse in praktische, leicht nachkochbare und leckere Rezepte zu übersetzen. Starkoch Vincent Klink hat das von der Klinik für Tumorbiologie herausgegebene Kochbuch kritisch begutachtet und war begeistert: „Zum Glück muss gesundes Essen nicht langweilig und entbehrungsreich sein. Mein Freund Hans-Albert Stechl und seine Mitköche zeigen in diesem Buch auf das Schönste, dass eine - medizinisch notwendige - Umstellung des täglichen Speiseplans kein Verzicht, sondern Vergnügen, Genuss und Bereicherung sein kann“, so Vincent Klink in seinem kulinarischen Vorwort.

Neben der Lust am guten Essen haben die Autoren jedoch auch die Information über die einzelnen „guten“ und „schlechten“ Nahrungsmittel im Blick. Jedem Rezept wurde ein kleiner Absatz beigefügt. Dort erfährt der Leser Wissenswertes über die verwendeten Zutaten und Inhaltsstoffe sowie deren gesundheitliche Effekte. „Essen fast wie gewohnt“: Bekannte und beliebte Speisen wurden so abgeändert, dass sie den speziellen Bedürfnissen des Prostatakrebspatienten nachkommen und darüber hinaus zur Prävention beitragen können.

„Im Falle von Prostatakrebs gibt es bisher keine medikamentöse Prophylaxe – der wichtigste Schutz lässt sich durch Änderungen des Lebensstils erreichen“, schreibt der Arzt und Ernährungswissenschaftler Dr. Jann Arends in seinem medizinischen Vorwort zu dem Buch. „Neben regelmäßiger körperlicher Aktivität scheinen Ernährungsfaktoren das Risiko für Prostatakarzinome zu vermindern. Nach neueren Berichten ist es wahrscheinlich, dass auch das Wachstum eines bestehenden Prostatakrebses durch die Ernährung beeinflusst werden kann.“ In diesem Sinne soll das Kochbuch von Hans Albert Stechl, Arwen Hodina und Ulrich Massing dazu beitragen, dem Prostatakrebs etwas entgegen zu setzen.


Barbara Riess

essenfastwiegewohnt

Hans-Albert Stechl, Arwen Hodina, Ulrich Massing
Essen fast wie gewohnt
Sternwaldverlag, Freiburg, 2007;
105 Seiten, 18,80 Euro;
ISBN Nr.: 978-3-9811708-1-8 
www.sternwaldverlag.de

Das Kochbuch ist auch über Kirstins Weg zu beziehen.

 

Rezept: Wirsing-Roulade

 

WirsingEinkaufszettel:
• Ein kleiner Wirsingkopf
Für die Füllung:
• 100 Gramm Reis 
• 150 Gramm Steinchampignons 
• 1/2 Stange Lauch 
• 1 Schalotte 
• Salz, Pfeffer 
• Olivenöl
Für die Soße:
• eine große Dose (400 Gramm) gewürfelte Tomaten
• 1 Schalotte
• 1 Knoblauchzehe
• 10 Zentimeter Tomatenmark aus der Tube 
• Olivenöl
• Salz, Pfeffer 
• 1 Lorbeerblatt 
• 1 Esslöffel Balsamico-Essig 
• 1 Prise Zucker
Aus dem wunderbaren Wintergemüse Wirsing lassen sich sehr schmackhafte vegetarische Wickel drehen.

Der erste Arbeitsschritt: der Wirsingkopf wird in seine einzelnen Blätter zerlegt. Die äußeren sind dunkelgrün, grob und hart, über diese freuen sich die Hasen. Nach innen werden sie immer hellgrüner, gelber, zarter und feiner, diese nehmen wir. Aus einem Blatt wird später ein Wickel. Je nach Größe der einzelnen Blätter rechnet man pro Person mit zwei bis drei Wirsing-Wickeln. Die dicken Strunkansätze an den Blättern werden V-förmig herausgeschnitten.

Dann werden die Blätter blanchiert. Hierzu wird ein großer Topf mit Wasser zum Kochen gebracht, das kochende Wasser wird kräftig gesalzen, die Wirsingblätter kommen hinein. Sobald das Wasser wieder aufkocht, schauen wir auf die Uhr: nach drei bis vier Minuten werden die Blätter in ein Sieb abgeschüttet und unter kaltem Wasser kräftig abgebraust. Dieses Abbrausen hat keinen kulinarischen Grund, sondern einen optischen: die Blätter bewahren so weitgehend ihre schöne gelbgrüne Farbe. Danach die Blätter gut abtropfen lassen. 

Zur Füllung: Den Reis gar kochen und den fertigen Reis in eine Schüssel schütten. Die Champignons grob zerhacken, die Schalotte fein würfeln, den Lauch in sehr dünne Ringe schneiden. Die Champignonwürfel in Olivenöl in einer Pfanne bei kräftiger Hitze anbraten. Dabei dürfen sie ruhig braune Flecken bekommen. Die gebratenen Champignons zum Reis geben. Dann die Schalotten in der Pfanne glasig dünsten, ebenfalls zum Reis dazugeben. Die Lauchringe in Salzwasser zwei Minuten halb gar kochen, abtropfen lassen und auch zum Reis geben. Alles gut vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zwischendurch haben wir die Soße aufgesetzt. Die Schalotten und der Knoblauch werden fein gewürfelt und in einem Topf in etwas Olivenöl glasig gedünstet. Das Tomatenmark dazu drücken und kurz mit anbraten. Die Tomaten aus der Dose und alle Gewürze dazugeben und im offenen Topf etwa eine Viertelstunde etwas einköcheln lassen. Das Lorbeerblatt heraus fischen und die Soße abschmecken.

Nun müssen wir noch die Wickel drehen. Dazu legt man ein Wirsingblatt flach auf ein Brett, gibt in die Mitte des Blattes ein Häufchen von der Füllung, drückt diese etwas zusammen. Dann schlägt man zunächst die bei den Enden mit dem V-förmigen Einschnitt (da, wo der Strunk war) über die Füllung, klappt dann die seitlichen Teile des Blattes hoch und rollt sodann alles fest zusammen. Das ist kein Hexenwerk, nach dem zweiten Wickel geht das wie von selbst.

Die Wickel werden in einen offenen, leicht eingeölten Bräter nebeneinander gelegt, mit der Naht nach unten. Nun wird die Soße darüber gegossen. Diese Fuhre kommt in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen. Nach 40 Minuten ist alles fertig. Wenn die Wickel oben zu dunkel werden, deckt man sie mit einer Alufolie für die restliche Garzeit ab.


Was zeichnet dieses Gericht aus?

Dieses Gericht ist eine perfekte Empfehlung für den Prostatakrebspatienten. Die wichtigsten Zutaten sind der Wirsing und die Tomaten bzw. das Tomatenmark. Der Wirsing als Kreuzblütler enthält Sulforaphan, welches das Wachstum von isolierten Prostatakrebszellen verlangsamen kann. Die Tomaten – insbesondere die aus der Dose – enthalten viel Lycopin. Warum? Für Dosentomaten werden meist vollreife Tomaten verwendet, die enthalten viel Lycopin (vollreif -> dunkelrot -> lycopinreich), eine Substanz die gegen ein Zuviel an freien Radikalen wirkt und den PSA-Wert senken kann. Zudem werden die Tomaten beim Eindosen erhitzt, wodurch das Lycopin aus der Schale besser für den Körper verfügbar ist. Gleiches gilt natürlich auch für gekochte Tomaten – und auch für Tomatenmark. Erwähnen möchten wir hier auch Lauch, Knoblauch und Zwiebeln: sie enthalten relativ viel Selen (antioxidativ) und haben im Labor einen wachstumshemmenden Effekt auf isolierte Prostatakrebszellen gezeigt. Summa summarum: Ein gesundes und auch fettarmes Gericht, das Ihnen die für Sie wichtigen Nährstoffe liefert.

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