Stoma: Tipps und Ratschläge für den Alltag

Brigitte Gabriel, Gesundheits- u. Krankenpflegerin in der Onkologie

Ein Stoma ist ein künstlicher Darmausgang, er wird auch als „Anus praeter“ bezeichnet. Um den Ausgang für die künstliche Köperöffnung zu schaffen, wird ein gesunder Darmabschnitt nach außen geleitet und mit der Bauchwand vernäht. Die Stomaarten werden nach ihrer Lokalisation benannt. Es gibt das Dünndarm-, das Dickdarm- und das Urostoma. In Deutschland leben mehr als 100 000 Stomaträger. Für Außenstehende ist das Stoma nicht sichtbar und jeder Betroffene kann dadurch selbst entscheiden wie offen er damit umgeht. Trotzdem ist es für  Betroffene nicht leicht sich mit der Situation auseinander zu setzten und diese zu akzeptieren. Zu einer Entlastung kommt es erst durch die Normalisierung im Umgang mit dem Stoma. Je normaler und selbstverständlicher damit umgegangen wird, umso größer wird die soziale Akzeptanz sein.

Stomaträger lernen sehr schnell den Umgang mit dem Stoma und die Handhabung der verschiedenen Produkte. Trotzdem ist dies zu Beginn nicht leicht und die Lebensgewohnheiten erfahren eine spürbare Veränderung. Pannen und Mißgeschicke sind zu Beginn nicht selten, und entstehen oft durch eine Häufung unglücklicher Umstände und durch Unwissenheit. Pannen können entstehen wenn,

  • die Platte nicht mehr vollständig klebt,
  • Bauchfalten die Platte aufdrücken,
  • ein gefüllter Beutel dem Druck nicht mehr standhält, oder
  • ein falsches System verwendet wird.


Deshalb sollte der Beutel regelmäßig entleert, bzw. täglich gewechselt werden. Die Haut um das Stoma sollte gut gereinigt werden und trocken sein, bevor eine neue Platte aufgebracht wird. Zudem sollte der Beutel fest angedrückt werden. Wichtig ist auch, Immer und überall entsprechendes Ersatzmaterial mitnehmen.

stoma gabrielFast alle Homecare Firmen bieten neben der Produktlieferung eine kostenlose Beratung durch Stoma-beraterinnen an. An diese kann man sich bei Fragen oder auftretenden Problemen wenden. Zum Nachlesen gibt es eine Vielzahl von Broschüren, die Anregungen und Tipps zur Stomaversorgung geben. Zusätzlich gibt es spezielle Rat-geber wie z.B. Stoma & Ernährung, Stoma & Reisen oder Stoma & Sexualität.

Ein Stoma muss nicht davon abhalten körperlich aktiv zu sein, meiden sollten man lediglich Sportarten die die Bauchdecke zu stark belasten (z.B. Rudern, Judo, Gewichtheben). Bedenkenlos sind hingegen Sportarten wie Radfahren, Laufen oder Schwimmen. Schwimmen kann man sowohl im Meer als auch im Schwimmbad. Mit einer gut angepassten Stomaversorgung ist dies kein Problem. Im Sanitätshaus erhält man spezielle Bademoden für Frauen und Männer mit innen eingearbeiteter Stomabeuteltasche.

Unterwegs oder auf Reisen ist es von Vorteil eine Behindertentoilette aufsuchen zu können, da diese über ein Waschbecken und einen Mülleimer verfügen. Seit einigen Jahren können Behindertentoiletten europaweit (z. B. an Autobahn- und Bahnhofstoiletten, öffentliche Toiletten in Fußgängerzonen, Museen oder Behörden) mit dem sogenannten „Euroschlüssel“ jederzeit und kostenfrei aufgesucht werden. Als Stomaträger kann man diesen Euroschlüssel beantragen. Informationen erhält man beim „Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e.V.“(www.cbf-da.de, Tel.: 06151/812210). Hilfreich kann auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe sein. Die bekannteste Selbsthilfegruppe ist die Deutsche ILCO e.V. (www.ilco.de). Sie bietet in allen Regionen Deutschlands Gesprächs- und Informationsgruppen an.  Ein empfehlenswertes Selbsthilfeportal für Stomaträger im Internet findet man unter www.stoma-welt.de

Brigitte Gabriel
Gesundheits- u. Krankenpflegerin in der Onkologie
Stoma- und Wundberaterin
Klinik für Tumorbiologie

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