Das zu Tränen reizende Liliengewächs: die Zwiebel

Melanie Kuster

die zwiebelDie Zwiebel (allium cepa) ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Nach Überlieferungen aus der Zeit um 3400 v. Chr. war die Zwiebel der ägyptischen Göttin Isis geweiht. Ihre ursprüngliche Heimat liegt in den Steppengebieten des asiatischen Raumes. Nach Mitteleuropa kam das Liliengewächs erst im Mittelalter, wo es in Klostergärten angebaut wurde. Da die Zwiebel jederzeit preiswert zur Verfügung steht, ist sie ein willkommenes Heilmittel. Sie enthält Allicin, ein schwefelhaltiges, ätherisches Öl, welches die Schleimhäute zur Flüssigkeitsbildung und -ausscheidung anregt und darüber hinaus für den natürlichen antibiotischen Effekt der Zwiebel verantwortlich ist. Beim Schälen und Schneiden tränen die Augen und die Nase beginnt zu fließen. Dadurch wird sowohl die Bindehaut der Augen als auch die Schleimhaut der Nase gereinigt. Als weitere Inhaltsstoffe sind Vitamin C, Mineralstoffe, Peptide, Flavonoide und Diphenylamin in Zwiebeln enthalten.
Die Zwiebel ist somit nicht nur unverzichtbar bei der Zubereitung schmackhafter Speisen, sondern hat einen hohen Stellenwert in der Naturheilkunde, wo sie mit ihrem großen Wirkstoffspektrum bei vielen Krankheiten und Beschwerden seit Jahrtausenden eingesetzt wird. Zwiebeln steigern den Appetit und fördern die Verdauung, senken den Cholesterinspiegel und einen erhöhten Blutdruck, schützen darüber hinaus vor Ablagerungen in den Blutgefäßen und vor Verklumpung von Blutblättchen. Ebenso wirken Zwiebeln harntreibend und entlasten so das Herzkreislaufsystem, senken aber auch erhöhte Blutzuckerwerte, wirken durchwärmend auf den Organismus und fördern die Durchblutung kleinster Blutgefäße.

Für manche Menschen, insbesondere für Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen, Kinder und ältere Menschen, sind Zwiebeln schwer bekömmlich. Sie reagieren leicht mit Blähungen. Tipp: Zwiebel kurz in Raps- beziehungsweise Olivenöl andünsten.

Bei Erkältungskrankheiten findet die Zwiebel mehrere Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel  als Schnupfensäckchen, Zwiebeltee oder als Zwiebelsirup bei Husten. In der Kinderheilkunde haben sich Zwiebelsäckchen bei Ohrenschmerzen bewährt. Auch dient eine aufgeschnittene Zwiebel als „Erste-Hilfe“ bei Sonnenbrand oder bei Insektenstichen.

Zwiebelsirup bei Husten und Erkältung (nach Kräuterpfarrer Künzle):
500 Gramm Zwiebeln schälen, in dünne Scheiben schneiden und in einem Topf zugedeckt ohne Wasserzusatz erhitzen. Dann 250 Gramm Honig oder Zucker zugeben und unter Rühren köcheln lassen, bis die Zwiebeln zu einem dicken Brei verkocht sind. Dann in Flaschen abfüllen und dicht verschließen. Dieser Sirup ist gut sechs Monate haltbar. Bei Husten und Erkältung nimmt man davon stündlich ein Esslöffel ein.

Melanie Kuster
GKP, Klinik für Tumorbiologie

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