Spiritualität

Für Patienten und Angehörige:

Seelsorge bietet einen Rahmen für menschliche und spirituelle Orientierung


Erich Hauer, Seelsorger

Wenn ein Seelsorger einen an Krebs erkrankten Menschen in der Klinik besucht, trifft er nicht nur auf einen Patienten, der vielleicht gerade den zweiten Zyklus einer Chemotherapie bekommt, vor zwei Stunden beim Röntgen war und besorgt auf das Ergebnis der Computertomographie vom Vortag wartet. Er begegnet – wenn er Zeit und Aufmerksamkeit mitbringt – zum Beispiel dem einstigen Schreinermeister, der schon vor Jahrzehnten seine Werkstatt aufgeben musste, weil er im Konkurrenzkampf mit den Baumärkten keine Chance mehr hatte, und der zum Glück für sich und seine Familie bis zu seiner Rente eine Anstellung als Bauarbeiter fand. Er sieht in ihm zugleich den Sohn der 94-jährigen Mutter, die noch bei ihm im Haus lebt und schon seit Jahren pflegebedürftig ist. Ebenso begegnet er dem Ehemann, der seine Frau bereits seit Kindertagen kennt und mit ihr zusammen so gerne das goldene Ehejubiläum erreichen möchte. Schließlich bekommt er mit, wie stolz der Vater auf seine Tochter und seine beiden Söhne und die fünf Enkelkinder ist.

Psychosoziale Unterstützung

Angehörige in der Zwickmühle der Gefühle


Dipl. Psychologin Anna Boehncke
Dipl. Psychologe Martin Poppelreuter

Angehörige von Tumorpatienten wurden lange Zeit nur als Unterstützung betrachtet, die Aufgaben und Funktionen übernehmen, die der Patient nicht selbst ausüben kann und ihm psychischen Beistand leisten. Erst seit kurzem befasst sich die psychoonkologische Forschung mit der Frage: „Was brauchen Angehörige, um für den Patienten hilfreich zu sein, aber auch um selbst mit dieser schwierigen Situation zurechtkommen zu können?“

Patientenkompetenz und Psychoedukation

Prof. Dr. phil. Joachim Weis

Im Kontext onkologischer und anderer Erkrankungen wird der Begriff der Patientenkompetenz seit einiger Zeit zunehmend häufiger verwendet. Auch im „Wegweiser“ wurde schon mehrfach darüber berichtet. Das Konzept der Patientenkompetenz beschreibt in verschiedenen Facetten die Perspektive der Patienten in ihrer Verarbeitung und Bewältigung einer lebensbedrohlichen Erkrankung wie zum Beispiel Krebs und deren Behandlung durch ihr Erleben, Bewerten, Wissen und Handeln.

Psychoonkologische Forschung zu Fatigue

Erschöpfung ist zentrales Folgeproblem nach Krebs


Prof. Dr. phil. Joachim Weis 

Fatigue

Uni Bremen und Klinik für Tumorbiologie prüfen Trainingsprogramm


Sabine Gärtner,
GKP Onkologie

Die Pflegedirektion der Klinik für Tumorbiologie prüft derzeit in Zusammenarbeit mit dem Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen ein Schulungsprogramm für Patienten, die unter tumorbedingter Fatigue leiden. Es wurde von einer Expertengruppe aus Onkologen, Psychologen, Physiotherapeuten, Pflegekräften und Patienten entwickelt. FIBS (Fatigue individuell bewältigen – ein Selbstmanagement-Programm) findet seit Anfang 2009 in den Räumen der Klinik für Tumorbiologie statt.

Psychoonkologie ist wichtiger Baustein der Krebsbehandlung

Bei der Finanzierung sind noch viele Fragen offen


Prof. Dr. phil. Joachim Weis 

Die psychoonkologische Versorgung stellt heute einen wesentlichen Baustein in der Krebsbehandlung dar. Als Teil einer interdisziplinären Behandlungskonzeption wird sie durch interdisziplinäre Standards und Behandlungsleitlinien geregelt. Durch eine bedarfsgerechte psychoonkologische Betreuung können die weitreichenden Auswirkungen der Erkrankung im körperlichen, seelischen und sozialen Bereich aufgefangen werden. Eine frühzeitige Betreuung kann davor schützen, dass die Beschwerden chronisch werden und somit Spätfolgen und Folgekosten vermeiden helfen.

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