Fatigue

Uni Bremen und Klinik für Tumorbiologie prüfen Trainingsprogramm


Sabine Gärtner,
GKP Onkologie

Die Pflegedirektion der Klinik für Tumorbiologie prüft derzeit in Zusammenarbeit mit dem Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen ein Schulungsprogramm für Patienten, die unter tumorbedingter Fatigue leiden. Es wurde von einer Expertengruppe aus Onkologen, Psychologen, Physiotherapeuten, Pflegekräften und Patienten entwickelt. FIBS (Fatigue individuell bewältigen – ein Selbstmanagement-Programm) findet seit Anfang 2009 in den Räumen der Klinik für Tumorbiologie statt.

fatigue„An manchen Tagen ist schon Wäsche aufhängen zuviel. Danach bin ich so erschöpft, dass ich am liebsten den Rest des Tages im Bett verbrinen würde“, erzählt Frau S. Sie gehört zu den geschätzten 30 Prozent der Krebspatienten, die auch noch lange nach ihrer Erkrankung unter einer extremen Erschöpfung leiden, der sogenannten tumorbedingten Fatigue. Auch beim gesunden Menschen führen Aktivitäten, wie beispielsweise körperliche und geistige Anstrengungen zu einem Müdigkeitsgefühl. Diese Form der Müdigkeit wird jedoch meist als angenehm empfunden und signalisiert dem Körper, dass er Ruhe benötigt. Ausreichend Schlaf oder Erholung führen dann im Allgemeinen zur Regeneration und helfen dem Organismus, das körperliche und psychische Gleichgewicht zu bewahren.

Im Gegensatz hierzu treten bei Krebspatienten, die unter tumorbedingter Fatigue leiden, Müdigkeit und Erschöpfung ohne vorherige Anstrengung auf und lassen sich auch durch ausreichend Schlaf oder längere Ruhephasen nicht beheben. Die Betroffenen empfinden ihre Müdigkeit nicht als ein angenehmes Regulativ, sondern nehmen sie als ein unangenehmes Gefühl von Schwäche wahr.

Häufig zeigt sich die Erschöpfung aber nicht nur körperlich, sondern auch auf einer emotionalen und einer geistigen Ebene: Die emotionale Müdigkeit wird durch fehlende Motivation, mangelnden Antrieb und Energie, Traurigkeit und Angst beschrieben. Die geistige Müdigkeit ist durch Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlafprobleme und ein allgemeines Krankheitsgefühl gekennzeichnet.

Das Trainingsprogramm FIBS richtet sich an Krebspatientinnen und -patienten welche die intensive Therapiephase hinter sich haben und unter der körperlichen und emotionalen Müdigkeit (Fatigue) leiden. Es besteht aus sechs wöchentlichen Treffen von jeweils 90 Minuten. In kleinen Gruppen erarbeiten maximal acht Teilnehmer alle wichtigen Themen rund um Fatigue und erhalten zahlreiche Tipps und Anregungen, wie sie sich den Alltag erleichtern und die Fatigue aktiv bekämpfen können. Das Seminar wird von zwei speziell ausgebildeten Trainerinnen geleitet.
Die Themen der einzelnen Seminareinheiten wurden auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse ausgewählt: Dazu gehören das Wissen um Ursachen und mögliche Behandlungsansätze der Fatigue sowie regelmäßiger moderater Ausdauersport. Die Neustrukturierung und Planung des Tagesablaufs mittels der zur Verfügung stehenden Energiemenge („Energiemanagement“) hat einen ebenso großen Stellenwert wie das Genusstraining. Durch die wöchentlichen Abstände zwischen den Seminareinheiten besteht schon während des Programms die Möglichkeit, das Erlernte im Alltag zu erproben und zu verfestigen.
Weitere Informationen zum Programm FIBS sowie zur Begleitstudie im Internet unter: www.tumorbiologie-freiburg.de und www.iap.uni-bremen.de.

Sabine Gärtner
GKP Onkologie
Klinik für Tumorbiologie

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