WENN ICH AN KIRSTIN DENKE

Kirstins Weg - Wie alles anfing

kirstin der anfangZu Beginn des Jahres 1990, Kirstin ist gerade von der deutschen Endausscheidung der "Lambada"-Meisterschaften gekommen, wo sie mit ihrem Partner den 4. Platz belegte (Kirstin war sportlich stark engagiert und sehr ehrgeizig) , als plötzlich unerklärlich starke Bauchschmerzen auftreten. Die konsultierten Ärzte stellen fest, dass die Leber bereits voller Metastasen ist. Man gibt Kirstin nur noch kurze Zeit zu leben.
In Prof. Dr. Rudolf Pichlmayr finden wir einen Arzt, der bereit ist, in einer schier unglaublichen 12-Stunden Operation eine Lebertransplantation vorzunehmen und die schon befallenen Organe, wie Magen, Milz und Lymphknoten zu entfernen.
Es folgt eine Zeit, in der sich Hoffen und Bangen abwechseln. Kirstin erholt sich relativ gut und kann 1993 ihr Abitur nachmachen. Sie plant ein Germanistikstudium in Trier aufzunehmen.
Der Studienplatz ist ihr zugesagt. Ihr Lebensmut ist weiterhin ungebrochen, doch das Schicksal durchkreuzt all ihre Plane und stellt sie auf eine harte Probe.
Die Ärzte stellen Metastasen in Kirstins Lunge fest.
Hannover, Essen, Heidelberg, keines der großen Krebszentren kann helfen. Es gibt nur wenig Hoffnung, denn eine möglicherweise wirksame Therapie konnte zur Leberabstoßung führen.
Kirstin hört dann von der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg. Wir nehmen Kontakt auf, es folgen einige Klinikaufenthalte.

Als Kirstin in der Klinik von den Forschungsprojekten hört, beschließt sie, nicht untätig auf der Bettkante zu sitzen sondern selbst etwas zu tun.

Sie stickt Karten, Türschleifen, und sie ruft über Telefon im Bekanntenkreis zu Spenden auf.
Sie möchte etwas Sinnvolles tun, nimmt Kontakt mit der Fördergesellschaft auf. Das Lebensblatt wird Symbol für das Engagement von Kirstin. 30.000 DM kommen bis zum März 1995 zusammen. Kirstin wird zum Ehrenmitglied der Fördergesellschaft ernannt und hat ihren ersten Spendenaufruf bei SAT 1 in der Sendung "Schreinemakers live".
Oie Barmer Ersatzkasse berichtet in ihrer Mitgliederzeitschrift über Kirstins Aktionen.
Als Kirstin dann im Dezember 1995 von Schreinemakers live zur "Frau des Jahres" gekürt wird, überschlagen sich die Ereignisse: Mehr als 20.000 Briefe und Spenden über Spenden sind die Reaktion auf diese Sendung. Das Spendenaufkommen hat die Millionengrenze überschritten.

Kirstin plant, einen Verein zu gründen, der aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen das ganzheitliche Konzept der Klinik für Tumorbiologie unterstützen soll. Wichtig ist ihr dabei, dass die Bedürfnisse der Patienten genügend Berücksichtigung finden sollen.
Im Januar 1996 ist es soweit: "Kirstins Weg" -Verein zur Förderung der Krebsmedizin wird gegründet.
Kirstins Zustand verschlechtert sich täglich. Sie wiegt noch knapp 30 kg, doch sie gibt nicht auf. Sie plant weiter ihr Leben und ihre Aktionen für die Krebsmedizin, um vielleicht so unzähligen Menschen das Leben zu retten.
Im Oktober erhält Kirstin das Bundesverdienstkreuz, im Dezember ruft sie noch einmal im Fernsehen zu Spenden auf. Man sieht ihr die Krankheit an, sie wiegt nur noch 25 kg. Aber ihr Mut, für andere zu kämpfen, ist ungebrochen.

Kirstin stirbt am 12. Februar 1997. Sie schläft ein und hinterlässt uns allen ihr Vermächtnis:
"Macht weiter, wo ich aufhören musste. Man lebt nur wirklich, wenn man sich einsetzt für andere Menschen. Nichts ist verloren oder sinnlos geworden."

Gerd Diehl

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